Rechnet mit Widerstand: Unser Statement zum geplanten Gaskraftwerk

Am 9. September 2026 veranstaltete das neu gegründete Bündnis gegen neue Gaskraftwerke Mainz / Wiesbaden eine Pressekonferenz vorm Kurfürstlichen Schloss in Mainz während sich dort zeitgleich der Mainzer Stadtrat versammelte. Neben Fridays for Future, den Scientists for Future, Mainz Zero, dem BUND RLP und der Neuen Generation war auch das Kolibri-Kollektiv mit dabei und fand deutliche Worte zum geplanten Bau das neuen Gaskraftwerks in Mainz.

Vor sieben Jahren hat Mainz den Klimanotstand ausgerufen. Drei Jahre später wurde beschlossen bis 2035 klimaneutral zu werden.
Der Klimanotstand wurde von Gruppen der Klimabewegung erkämpft, die heute hier mit am Tisch sitzen. Heute müssen wir diesen Beschluss erneut einfordern, denn die Stadt Mainz plant den Bau eines neuen Gaskraftwerks und ist damit auf dem besten Weg, sich von ihren Klimazielen zu verabschieden.

Diese Entscheidung wurde nicht bewusst getroffen. Es gab dazu weder eine Abstimmung noch einen öffentlichen Diskurs. Geschweige denn eine*n Politiker*in oder gar Bürgermeister, der bereit wäre, die Verantwortung für eine so unpopuläre Entscheidung zu übernehmen, nein: bei der Planung des neuen Gaskraftwerks auf der Ingelheimer Aue wurden unsere Klimaziele schlichtweg nicht mitgedacht.

Und wofür das Ganze? Um ein Rechenzentrum mit Strom zu versorgen, dass an ausländische Konzerne vermietet wird und einzig und allein einem Zweck dient: Die Mainzer Stadtkasse wieder mit Geld zu füllen.

Oberbürgermeister Haase, der keine Gelegenheit auslässt, sein Projekt grün zu waschen hat dies uns gegenüber noch nicht einmal geleugnet. Stattdessen rechtfertigt er die Pläne u.a. damit, dass die erhofften Einnahmen benötigt werden, um etwa den öffentlichen Nahverkehr auszubauen.1

Lieber Herr Haase: Natürlich ist der Ausbau des ÖPNVs wichtig für das Erreichen unserer Klimaziele. Aber dafür energiehungrige Rechenzentren und Gaskraftwerke zu bauen, die uns weiter in die fossile Abhängigkeit treiben und dazu zwingen auch weiterhin schmutzige Deals mit Autokaten einzugehen, kann wohl kaum der
nachhaltigste Weg in Richtung Klimaneutralität sein.

Im Gegenteil: Laut Berechnung der SFF hätte die Inbetriebnahme des neuen Gaskraftwerks KW6 mit 3.000 Betriebsstunden pro Jahr die gleiche klimaschädliche Wirkung wie rund 50.000 Verbrennerautos2. Wie viele Straßenbahnen müssten wohl gebaut werden um diesen Schaden wieder auszugleichen?

Diese Pläne sind alles andere als nachhaltig. Sie bedeuten nichts anderes als den Ausverkauf unserer Klimaziele

Nein, diese Pläne sind alles andere als nachhaltig. Sie bedeuten nichts anderes als den Ausverkauf unserer Klimaziele – und das ohne Beteiligung der Bürgerinnen, die gemeinsam mit uns den Klimanotstand und das Einhalten der Klimaziele eingefordert
haben. Dieses Vorgehen ist nicht nur verantwortungslos – es ist auch in höchstem Maße undemokratisch!

Leider sind Mainz und Wiesbaden beim Thema Gasausbau in bester Gesellschaft. In Frankfurt am Main etwa schlucken Rechenzentren bereits jetzt rund 40% des lokalen Strombedarfs, der nun, wie könnte es anders sein, durch weitere Gaskraftwerke gedeckt werden soll. Ist das etwa unser Vorbild? Wollen wir immer mehr Rechenzentren bauen deren Strombedarf nur durch immer mehr Gaskraftwerke gedeckt werden kann?

Wenn es nach den Plänen von Gas-Lobbyistin Katharina Reiche geht, sollen in den kommenden Jahren überall im Land Rechenzentren und Gaskraftwerke buchstäblich wie die Pilze aus dem Boden schießen. Bis 2030 soll sich die Gesamtkapazität der Rechenzentren in Deutschland gar verdoppeln. Die Deutsche Umwelthilfe
prognostiziert, dass Reiches Gasausbau bis 2045 Treibhausgase von bis zu 125 Millionen Tonnen verursachen wird. Die dadurch verursachten Klimaschäden werden auf bis zu über 120 Milliarden Euro beziffert.3

Die vielen tausend Menschen, die bereits dieses Jahr an den Folgen der extremen Hitzewellen gestorben sind, lassen sich allerdings nicht mit Geld aufwiegen. Von den desaströsen Auswirkungen für die Menschen im globalen Süden ganz zu schweigen, die bei solchen Überlegungen immer noch viel zu oft vergessen werden.

Wir sind heute hier, um die Stadt Mainz an ihre Klimaziele zu erinnern aber auch an ihre lokale und globale Verantwortung. Der Verantwortung gegenüber dieser und kommender Generationen. Der Verantwortung gegenüber allen Menschen, die in Mainz
und Wiesbaden heute und auch in Zukunft noch gut leben möchten. Und der Verantwortung gegenüber den Menschen im globalen Süden, die schon heute das Ausmaß dessen erleben, was uns hier noch bevorsteht.

An genau dem Ort, an dem gerade das – vermeintlich ach so grüne – Rechenzentrum entsteht, sollte vor rund 20 Jahren ein Kohlekraftwerk gebaut werden. Es ist nicht zuletzt dem entschlossenen Protest der Mainzerinnen und Wiesbadener*innen zu verdanken, dass dieses Projekt verhindert wurde. Heute sind die Bürgerinnen erneut gefragt um für den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen und eine lebenswerte Zukunft zu kämpfen, denn wie wir heute wissen, ist Gas nicht weniger klimaschädlich wie Kohle. Im Gegenteil: Sauberes Gas ist eine dreckige Lüge!

Aber nicht nur hier in Mainz, überall im Land gründen sich nun breite Bündnisse und Initiativen um gegen den verantwortungslosen Ausbau von Gaskraft und Rechenzentren vorzugehen. All diese Gruppen sind dabei sich zu vernetzen und in ihren Kämpfen zu
unterstützen.

Unsere Nachricht an Nino Haase, die KMW und alle anderen, die gerade den Ausverkauf unserer Klimaziele vorantreiben oder gar von ihm profitieren ist daher die:

Rechnet mit Widerstand. Wir sehen uns auf der Straße.


  1. Referenz Instagram-Kanal der Stadt Mainz (https://www.instagram.com/p/DbLmEx2DQ-o/) ↩︎
  2. Die KMW hat aber für die Wirtschaftlichkeit mit 2.500 gerechnet. Dazu kommen noch Anfragen von der Bundesnetzagentur von voraussichtlich ca. 500 – 1000 Stunden pro Jahr. Die 50.000 beziehen sich insofern auf 3.000 Betriebsstunden. ↩︎
  3. https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/staatlich-gefoerderte-neue-gaskraftwerke-deutsche-umwelthilfe-warnt-vor-zusaetzlichen-treibhausgasen/ ↩︎